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am 14. Dezember 2016

Nein zum Murkraftwerk. Ja zum Umweltschutz.

Andrea Pavlovec-Meixner - Um die GrazerInnen für das Murkraftwerk positiv zu stimmen, werden seit Jahren die Fakten verdreht. Wir stellen sie richtig!

Das Murkraftwerk wäre Der massivste Eingriff der letzten hundert Jahre in die Natur der Stadt

Von der Bertha-von-Suttner-Brücke bis unterhalb der Puntigamerbrücke wird alles gerodet. Darüber hinaus sind in Richtung Hauptbrücke jene Bäume betroffen, die überstaut werden. ExpertInnen haben im Auftrag des Naturschutzbundes im November 2016 genau erhoben, wie viele Bäume für das Murkraftwerk Graz gefällt werden müssten: Es sind rund 8.000 große Bäume, die gefällt werden, wenn das Kraftwerk kommt (eingerechnet in diese Zahl sind nur Bäume mit einem Stammumfang von mindestens 50 cm und mind. 10 Meter Höhe). Zum Vergleich: Im Stadtpark stehen knapp 2.000 Bäume vergleichbarer Größe!

Nach dem Kraftwerksbau werden zwar ca. 2.200 Bäume nachgepflanzt, aber der größte Teil davon außerhalb von Graz. Auf den für die Staustufe notwendigen Dämmen entlang der Mur können keine großen Bäume wachsen, das grüne Band ginge in diesem Bereich für immer verloren. Und bis die neu gepflanzten Bäume eine vergleichbare Größe erreichen und so viel Sauerstoff erzeugen und CO2 binden können wie der derzeitige Baumbestand, wird es 30 bis 60 Jahre dauern!

Durch das Murkraftwerk würden viele Pflanzenarten, die jetzt entlang der Mur wachsen, für immer verdrängt und auch eine Reihe von Tierarten würde ihren Lebensraum und ihre Wanderrouten entlang der Mur verlieren (z.B. Huchen, Würfelnatter, Fledermäuse, Wasseramsel).

Die Mur galt in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts als schmutzigster Fluss Österreichs. Nach massiven Anstrengungen zur Verbesserung der Gewässerqualität weist sie nun einen guten ökologischen Zustand auf. Durch die Errichtung der Mur-Staustufe verschlechtert sich ihr Zustand wieder von derzeit gut auf mäßig.

Die Mur ist ein wichtiger Erholungsraum

Es braucht keine Megabaustelle, um einen neuen Erholungsraum in der Stadt zu schaffen, denn die frei fließende Mur und der dichte Baumbestand an ihren Ufern ist bereits ein wichtiger Lebens- und Erholungsraum für viele Menschen und Tiere. Das Rauschen des Flusses begleitet die GrazerInnen bei ihren Spaziergängen, viele Plätze am Fluss laden zum Verweilen ein, Surfen, Kajaken, Fischen, Radfahren, alles das ist auf und an der Mur möglich. Die Initiative „Mur findet Stadt“ zeigt es vor: Auf der Olympiawiese z.B. könnte eine Freizeitoase und ein ökologisch wertvoller Naturraum geschaffen werden – ganz ohne Kraftwerk.

Das Murkraftwerk erspart uns keinen Atomstrom

Bürgermeister Nagl behauptet, das Kraftwerk erspare uns Atomstrom: "Ich glaube, es ist die einzige Möglichkeit, das Atomkraftwerk in Krsko stillzulegen." Diese Behauptung entbehrt jeglicher fachlichen Grundlage. Alleine der Vergleich der Jahresproduktion zeigt dies deutlich: Mit ca. 80 GWh geplanter Jahresproduktion würde das Murkraftwerk gerade 1,3 Prozent der Jahresproduktion des AKW Krsko bereitstellen! Und Österreich bezieht überhaupt keinen Strom von Krsko. Die Frage des Ersatzes des AKW Krsko muss in Slowenien gelöst werden, es besteht keinerlei Zusammenhang mit Energieprojekten in Österreich. 

Das Murkraftwerk Graz deckt gerade einmal 0,8 Prozent des jährlichen steirischen Stromverbrauchs. Das entspricht der Strommenge, die in der Steiermark in nicht einmal vier Tagen verbraucht wird.

Diese Menge an Energie lässt sich einsparen und damit gleich die ganze Mur-Staustufe. Nehmen wir das Geld, das für den Bau der Mur-Staustufe vorgesehen ist, und investieren es in die thermische Sanierung von 750 Gebäuden, dann sparen wir dieselbe Menge Energie ein, die uns das Kraftwerk liefern würde, ersparen uns eine jahrelange Mega-Baustelle und bewahren uns die frei fließende Mur.

Das Murkraftwerk sichert keine Arbeitsplätze

Zwar werden 1.800 Arbeitskräfte für die Errichtung des Murkraftwerks benötigt, die Arbeitsplätze wird es aber nur während der zweijährigen Bauphase geben. Für den Betrieb der Staustufe ist hingegen nur ein einziger neuer Arbeitsplatz erforderlich. Würde das Geld, das in das Murkraftwerk gesteckt wird, in eine Offensive zur thermischen Sanierung investiert werden, könnten doppelt so viele Arbeitsplätze geschaffen werden und zwar langfristig.

Ja zur Wasserkraft, aber nicht immer und überall

Wasserkraft spielt in Österreich eine wichtige Rolle für die Stromversorgung aus erneuerbaren Energieträgern. Allerdings ist Strom aus Wasserkraft kein unendlich verfügbares Gut. Bereits 80 Prozent aller Flüsse werden in Österreich für die Stromerzeugung genutzt, an der Mur allein gibt es jetzt schon 30 Kraftwerke. Wir Grüne sagen klar Ja zur Wasserkraft, aber nicht immer und überall. Die bestehenden Wasserkraftwerke können wesentlich effektiver als bisher genutzt werden und bei Windkraft und Photovoltaik ist noch viel möglich. Nutzen wir diese Potenziale, bevor wir die letzten frei fließenden Flussstrecken verbauen.

Die Alternativen zum Murkraftwerk

Das modernste Kraftwerk der Welt, das „Einsparkraftwerk“, hat keine Schornsteine, keine Emissionen und keinen gefährlichen Reaktoren. Durch sinnvolle Einsparungen können wir auf einfache Art einen Energieüberschuss erzeugen. Etwa mithilfe verbesserter Technologien – wie z.B. energieeffizienten Geräten – können wir unseren Energieverbrauch senken, ohne unsere Lebensqualität dabei einzuschränken.

Um neue Energie zu erzeugen, sollten in Graz vor allem alternative Aufbringungsformen – allen voran die Solarenergie – ausgebaut und industrielle Abwärme verstärkt genutzt werden.

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