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am 26. April

Verkehrswende von unten

- Grüne vor Ort

VERKEHRSWENDE VON UNTEN

Der Klimawandel ist eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit. Um die schlimmsten Auswirkungen noch verhindern zu können, müssen wir jedoch auch unser Mobilitätssystem grundlegend verändern. In ganz Europa und auf der Welt bereiten sich Städte bereits darauf vor. Anders in Graz, hier herrscht seit Jahren in Sachen Verkehrspolitik Stillstand. 

Den verkehrspolitischen Stillstand in Graz aufzubrechen vermag derzeit wohl nur eine Verkehrswende von unten. Und diese wollen wir gemeinsam mit den vielen engagierten Grazerinnen und Grazern starten. Den Start dazu bildete eine Podiumsdiskussion am 24. April mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. 

Hier die wichtigsten Inhalte und Statements dieses Abends:

Christian Kozina​, Umweltsystemwissenschaftler und Experte für die Themen Klimawandel, Globalisierung und Gemeinwohlökonomie legte vor kurzem ein umfangreiches Mobilitätskonzept für Graz vor. Alle Maßnahmen, die er in seinem Konzept präsentiert, verfolgen ein Ziel, nämlich intelligente Umverteilungslösungen zu schaffen. ​

„Wenn die Menschen sehen, dass sie mit dem Bus pünktlich und bequem ihr Ziel erreichen oder wenn sie erleben, dass sie schnell und sicher mit dem Rad durch die Stadt kommen, dann werden sie sich gegen das Auto und für den ÖV oder das Radfahren entscheiden.“
Christian Kozina

Um dies zu erreichen, muss jedoch Platz umverteilt werden -  zugunsten von Radwegen, Busspuren und natürlich auch neuen Straßenbahnlinien. Das Argument der schwierigen Finanzierung ließ Christian Kozina dabei nicht gelten. Allein im letzten Jahr wurden 300 Mio. € für Straßenneubauten und -sanierungen in der Steiermark ausgegeben. Mit diesem Betrag könnte ein großer Teil der notwendigen neuen Straßenbahnprojekte in Graz realisiert werden.

„Wir wollen die Menschen ermutigen, Alternativen zum Auto auszuprobieren, das eigene Verhalten zu verändern und selbst aktiv zu werden. Und die Grazer Initiativen, die sich mit Mobilität beschäftigen, freuen sich über engagierte Menschen, die mitarbeiten und mitmachen. ​“
Heidi Schmitt

Heidi Schmitt, Obfrau der Radlobby ARGUS, schlägt in dieselbe Kerbe. 2 Kilometer Südgürtel haben mehr gekostet, als in Graz jemals fürs Radfahren ausgegeben wurde, so ihre Rechnung. Dabei sei Graz, so Schmitt, eine ideale Stadt fürs Radfahren. Die Stadt hat eine gute Größe, ein relativ trockenes Klima und vor allem 800 Kilometer Straßennetz mit Tempo 30, auf dem sich RadfahrerInnen auch ohne eigenen Radweg sicher fortbewegen können. Im Bereich Infrastruktur sei vor allem bei Radfahrstraßen und sicheren Radwegen entlang der großen Tempo 50-Straßen, wie der Liebenauer Hauptstraße oder der St. Peter Hauptstraße, Nachholbedarf. 

Auf die Frage, was geschehen muss, um die Verkehrswende zu schaffen, appellierte Heidi Schmitt an das Engagement jedes und jeder einzelnen

Die Position der Wirtschaft zum Thema Verkehr vertrat der Regionalstellenleiter Graz der Wirtschaftskammer Viktor Larissegger. Graz ist eine lebenswerte Stadt und um eine solche bleiben zu können braucht es eine funktionierende Wirtschaft, Arbeitsplätze, Mobilität und eine gesunde Umwelt. Diese Herausforderungen unter einen Hut zu bringen, sei die große Herausforderung. 

Besonders die Situation des Innenstadthandels, der nicht nur die Einkaufszentren am Stadtrand sondern auch den Internethandel als Konkurrenz stark spüre, hob Larissegger hervor. 

„Wir wissen aus unseren KundInnen-Befragungen, dass die individuelle Erreichbarkeit der Geschäfte ein extrem wichtiges Thema ist, das man nicht einfach vom Tisch wischen kann. Gerade für jene, die aus dem Umland von Graz zum Einkaufen in die Innenstadt kommen - und das sind 40% aller KundInnen - ist das ÖV-Angebot einfach nicht attraktiv genug.“
Viktor Larissegger

Mit dem Verweis auf die Arbeitsplätze und die erzielte Wertschöpfung bezeichnete Viktor Larissegger Graz als Autostadt, „auch wenn Sie das vielleicht nicht gerne hören wollen“. Die Frage, ob die Wirtschaftskammer bereit sei, sich auch als Lobbyist fürs Radfahren zu verstehen, beantwortete er mit einem - wenn auch vorsichtigen - Ja!​

Den globalen Blick auf das Thema Mobilität steuerte Johannes Schwarz von „System Change not Climate Change“ bei. Wir brauchen eine Mobilität der Zukunft und diese muss klimagerecht sein, so seine zentrale Aussage. Warum eine Verkehrswende so schwer zu erreichen ist, dafür nennt Johannes Schwarz gleich mehrere Gründe: Mobilität ist ein sehr persönliches Bedürfnis und gehört inzwischen zum Lebensstil, die negativen Effekte sind jedoch nicht sofort und unmittelbar sichtbar. Außerdem gibt es mächtige Lobbys, wie beispielsweise die Ölindustrie, die davon profitieren, wenn nicht umgesteuert wird.​

„Ein PKW wird durchschnittlich nur eine Stunde am Tag genutzt und steht 23 Stunden. Hier braucht es ein Umdenken. Nutzen statt besitzen, das ist die Zukunft.“
Johannes Schwarz

Die anschließende rege Publikumsdiskussion brachte viele zusätzliche Aspekte zum Thema Verkehrswende. Den Großraum Graz als einen Verkehrsraum sehen und entsprechend vernetzte ÖV-Angebote setzen, das ist bei 100.000 EinpendlerInnen ein Gebot der Stunde, so eine Teilnehmerin.  Auch dass es eine Bewusstseinsänderung braucht und dafür wiederum eine ganze Reihe von konkreten Maßnahmen wie „Autofasten“ oder die Aktion „Radeln zur Arbeit“, wurde mehrfach betont. Die Frage, wie eine postautomative und postfossile Wirtschaft aussehen könnte, setzte die Diskussion in einen noch größeren Rahmen.

Mit dem vielfach geäußerten Wunsch nach Vernetzung und Zusammenarbeit schloss der Diskussionsabend. 

Weiter geht es bei der Verkehrswende von unten wie folgt:

Genauere Informationen findet ihr bei den Veranstaltungen. 

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