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am 30. Juni 2014

Gedenkkultur in Graz

Daniela Grabe - Wider das Vergessen: Zu oft gibt die Stadt Graz Gedenkverantwortung ab - umso wichtiger sind private Initiativen, die sich der Erinnerungskultur in unserer Stadt annehmen.

Am Samstag, den 28. Juni jährte sich zum 100. Mal der Jahrestag der Ermordung des k.u.k. Thronfolger-Paares Franz Ferdinand von Österreich und Sophie Fürstin von Hohenberg, einer der zentralen Auslöser des Ersten Weltkriegs mit Millionen Opfern in einem unter unvorstellbar grausamem Materialeinsatz geführten weltweiten Krieg.

In vielen Ländern finden aus diesem Anlass Gedenkveranstaltungen und Mahnwachen statt, auch in politischen Vertretungen und Parlamenten, aber leider nicht in Graz. Wir Grüne haben ja gefordert und im Gemeinderat beantragt, dass als ein wichtiges Zeichen des Erinnerns die ​Conrad-von-Hötzendorf-Straße umbenannt wird. Schließlich war Franz Conrad von Hötzendorf einer der übelsten Kriegshetzer und auch verantwortlich für zahlreiche Kriegsverbrechen, wie beispielsweise das sogenannte Internierungslager Thalerhof, in dem tausende RuthenInnen, unter ihnen auch viele Kinder, ums Leben kamen.

"63 Jahre danach" - Joachim Gerz
"63 Jahre danach"

„Leider hat sich der Gemeinderat mehrheitlich dazu entschieden, die Gedenkverantwortung abzugeben und eine HistorikerInnenkommission zu Straßennamen eingesetzt, die 2017 (!) erste Ergebnisse liefern soll.

Das ist mehr als enttäuschend für eine Stadt, die sich mit dem Titel Menschenrechtsstadt schmückt“, so Gemeinderätin Daniela Grabe.

Nicht besser übrigens der Stadtsenat: „63 Jahre danach“ von Joachim Gerz, das zentrale Gedenkprojekt im öffentlichen Raum zum NS-Terror in Österreich, wurde vergangenen Freitag ​von ÖVP und FPÖ abgedreht: „Gestattungsvertrag der Stadt Graz für die Installationen“ abgelaufen; Verlängerung nicht bewilligt; basta. Da können Menschenrechtsbeirat, Kulturstadträtin, Opferverbände und Einzelpersonen fordern, was sie wollen.

Umso wichtiger sind private Initiativen, die sich der Erinnerungskultur in unserer Stadt annehmen. So beispielsweise der Verein für Gedenkkultur, der das Projekt ​Stolpersteine, ein dauerhaftes Gedenkprojekt für die Opfer des Nationalsozialismus, nach Graz gebracht hat und es ständig erweitert.

Am Freitag, den 4. Juli 2014 finden ab 15.30 Uhr die nächsten Verlegungen von Stolpersteinen statt, die an Grazer und Grazerinnen erinnern, die von den Nazis vertrieben, deportiert und ermordet wurden.

Das vollständige Programm zur Stolpersteinverlegung gibt's auf der ​Website des Vereins für Gedenkkultur.

Stolperstein Neuhold
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