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DA: Grazer Charta für eine begrünte Stadt

Gemeinderatssitzung am 20.09.2018


Dringlicher Antrag eingebracht von die Grünen - ALG - GRin Tamara Ussner


Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit, die Auswirkungen sind auch in Österreich angekommen. Die Zahl jener Menschen, die an Hitzefolgen sterben, übersteigt inzwischen schon die Zahl der Verkehrstoten. Im Zeitraum zwischen 2013 und 2017 sind nach Berechnungen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) 1.122 Menschen in Österreich an den Folgen der Hitze gestorben (https://kurier.at/chronik/oesterreich/oesterreich-mehr-tote-durch-hitze-als-im-strassenverkehr/400071209). Das sind alarmierende Zahlen, insbesondere für Städte, da sich die Hitzewellen naturgemäß im urbanen Raum viel massiver auswirken als in ländlichen Gebieten.

In Graz beschäftigen wir uns schon länger intensiv mit den Folgen des Klimawandels und mit den notwendigen Maßnahmen und Strategien. Im Herbst 2016 beschloss der Grazer Gemeinderat auf Initiative der Umweltstadträtin die Erarbeitung einer Klimawandelanpassungsstrategie. Seit Anfang 2017 werden unter Federführung des Umweltamtes und in Kooperation mit allen relevanten Abteilungen notwendige Aktivitäten konkretisiert, um die Folgen des Klimawandels in unserer Stadt zumindest abzumildern. Das gemeinsame Ergebnis dieses nächsten Schrittes in der Klimawandelanpassungsstrategie wird von Stadträtin Tina Wirnsberger noch heuer dem Gemeinderat zur Diskussion und Beschlussfassung vorgelegt werden.

Neben vielen anderen zu setzenden Maßnahmen wird es aber auch notwendig sein, einen speziellen Fokus auf die Grünraumausstattung in unserer Stadt zu legen. Grünraum und Bäume kühlen die Umgebung und verbessern das lokale Klima, in Graz wurden zwischen der Innenstadt und gut begrünten Stadtteilen 5 Grad Temperaturdifferenz gemessen.  Neben der Abmilderung der Folgen des Klimawandels ist Grünraum aber auch wichtig als Erholungsraum für die Grazer und Grazerinnen, er verbessert die Luftqualität, erhöht die Biodiversität und stärkt die Ökosysteme. Weiters kann der Energieverbrauch in und an begrünten Gebäuden durch stabilere Temperaturverhältnisse verringert werden.  

Wir haben in der Stadt Graz einiges an Planungsgrundlagen und Programmen, die sich mit dem Thema Grünraum beschäftigen. In Erinnerung sei hier die Erhebung zur Freiflächenausstattung in den Bezirken (Stadtentwicklungskonzept), das Sachprogramm Grünraum und das „Grüne Netz“ gerufen, die jedoch in der politischen Praxis oft nur eine untergeordnete Rolle spielen. Es ist daher höchst an der Zeit, andere und neue Wege zu gehen, die uns in der Frage der Grünraumausstattung in Graz wirklich weiterbringen. Dazu braucht es ein klares gemeinsames politisches Bekenntnis, es braucht aber auch Bündnisse mit den BürgerInnen und mit Wirtschaftstreibenden.

Paris hat ein Gesamtkonzept mit ganz konkreten Zielsetzungen für Begrünung entwickelt. So sollen beispielsweise bis zum Jahr 2020 100 ha neue Grünflächen als Gebäudebegrünung entstehen und 20.000 neue Bäume gepflanzt werden. Aber auch aufgelassene Bahndämme und Brachen werden für Begrünungsinitiativen genutzt, 30 ha neue Grünflächen sollen so entstehen. Weiters werden 300 von BürgerInnen vorgeschlagene öffentliche Plätze bepflanzt.

Vorangestellt ist dieser Offensive die Charta für ein begrüntes Paris, die nicht nur von der Stadtpolitik im Sinne einer Selbstverpflichtung unterzeichnet wurde, sondern auch von Wirtschaftstreibenden, insbesondere Bauträgern, Handelsbetrieben und Hotelketten. Sie haben sich ebenfalls verpflichtet, Maßnahmen für mehr Grün in der Stadt zu entwickeln und in ihrem Rahmen umzusetzen. Außerdem sind in Paris auch Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, ihre Ideen für mehr Grün in der Stadt einzubringen, die dann je nach Umsetzbarkeit realisiert werden. Die Pariser Charta ist aus unserer Sicht ein nachahmenswertes Modell, das neue Wege in einer für Städte so wichtigen Frage einschlägt, vor allem weil es das Thema Begrünung zu einem Anliegen der ganzen Stadt, ihrer Bürger und Bürgerinnen und ihrer Wirtschaftstreibenden macht. Im Sinne des Motivenberichtes stelle ich daher namens der Fraktion der Grünen – ALG folgenden


Dringlichen Antrag

  1. Der Gemeinderat der Stadt Graz spricht sich für die Erarbeitung einer „Charta für ein begrüntes Graz“ nach dem Vorbild der Stadt Paris aus.

  2. Bürgermeister Nagl wird vom Gemeinderat ersucht, eine Arbeitsgruppe unter Federführung der Stadtbaudirektion und unter Beiziehung der relevanten Abteilungen (Abteilung für Grünraum und Gewässer, Abteilung für Stadtplanung, Bau- und Anlagenbehörde, Wirtschaftsabteilung, Umweltamt) einzurichten, die sich mit dem Entwurf einer „Charta für ein begrüntes Graz“ beschäftigt. Weiters sollen Expert*innen zum Thema „begrünte Städte“ in die Arbeitsgruppe eingeladen werden. Dem Gemeinderat wird im Februar 2019 über die bis dahin vorliegenden Ergebnisse Bericht erstattet.


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