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DA: Abklärung von Vorfragen vor einer möglichen ersten Beschlussfassung zur Tiefgarage am Eisernen Tor

Gemeinderatssitzung am 19.10.2017

Dringlicher Antrag von die Grünen - ALG eingebracht von Klubobmann Karl Dreisiebner

In der September-Gemeinderatssitzung wurde ein Dringlicher Antrag von uns ohne große Diskussion abgelehnt, der nicht mehr erreichen wollte, als dass der Bedarf an zusätzlichen Garagen-Stellflächen und der dafür geeigneten Standorte von unseren städtischen FachexpertInnen geprüft wird. Des Weiteren sollte sich der Gemeinderat zu den beschlossenen Mobilitätszielen – darunter vor allem die Reduktion des MiV-Anteils am Grazer Gesamtverkehr – bekennen und es sollte ebenso ein Bekenntnis zur gleichwertigen Reduktion von Straßen-Stellflächen im Umfeld neuer Garagen geben.

Die ungeklärte Frage zum Stellplatzbedarf und zu den geeigneten Standorten ist die eine. Es gibt aber noch andere offene Fragen, die beantwortet werden sollen und müssen, bevor das Projekt weiter konkretisiert und geplant wird, bevor also weitere Schritte gesetzt werden, die auch mit Kosten für die Stadt verbunden sind.


Was sind nun weitere offene Fragen? Zunächst ist zu klären, ob eine solche automatisierte Stapelgarage für das Kurzparken - und für diesen Zweck wurde uns das Projekt ja vorrangig präsentiert - überhaupt geeignet ist und ob die Technik ausreichend gut und verlässlich funktioniert.  

In der Projektpräsentation zur geplanten Tiefgarage am Eisernen Tor wurden ja Wolfsburg und die dortigen Parktürme als Referenzprojekt herangezogen. Diese Parktürme mit automatisierten Systemen sind jedoch nicht für KurzparkerInnen gedacht. Viel mehr werden sie als Regallager für Neuwägen verwendet, die dort an Firmen- oder auch PrivatkundInnen ausgeliefert werden. www.autostadt.de/autostadt-erkunden/kundencenter bzw. www.autostadt.de/autostadt-erkunden/autotuerme. Gäste-Parkplätze für Kurz- oder Tagesparken gibt es in der Wolfsburger Auto-World auch, diese liegen aber allesamt am Rande der Wolfsburger Auto-World und gleichen den Parkplätzen in unseren Shopping Centers. Mehr dazu unter: www.autostadt.de/service-kontakt/anreise


Die nächste offene Frage ist die Leistungsfähigkeit für die entsprechend anfallenden Spitzenfrequenzen bei KurzparkerInnen, wie sie in der Grazer City üblicherweise vorkommen. Meine Recherchen haben ergeben, dass Projekte dieser Art, seien sie nun beim Grazer Rondo oder in Wien beim erzbischöflichen Palais oder eben jenes in Wolfsburg, nicht für KurzparkerInnen gedacht sind. 

Diese genannten Garagen sind allesamt auf Tages- und DauerparkerInnen fokussiert. Aus gutem Grund: „Nachteile von bisherigen Parkregalen sind die hohen Kosten bei relativ langen Taktzeiten pro Fahrzeug. Das nächste Fahrzeug kann erst abgegeben werden, wenn der Förderschlitten die Palette mit dem vorhergehenden Fahrzeug einsortiert hat und wieder am Eingangsbereich ist. Gleiches gilt für die Abholung von Fahrzeugen. Die langen Auslieferzeiten können gesenkt werden, wenn parallel mehrere Förderanlagen eingebaut sind, wodurch mehrere Ein- und Ausfahrten möglich sind. Entsprechend höher sind dabei aber die Kosten für die Fördertechnik und komplexer die Steuerlogik.“
(https://de.wikipedia.org/wiki/Automatisches_Parkhaus)

Der Architekt, der das Tiefgaragenprojekt am Eiserenen Tor plant, führte ja aus, dass ein Einparkvorgang 100 bis 150 Sekunden dauert, ähnliches gilt wohl fürs Ausparken. Umgerechnet ergibt sich daraus, dass bei einem Terminal pro Stunde 15 Autos ein- und ausparken könnten. Laut Aussagen des Architekten ist derzeit an 5 Terminals pro Tiefgarage gedacht, das ergibt dann 75 PKW-Umschichtungen pro Stunde für die gesamte Garage. Das ist eine Frequenz, die die herkömmliche Opern-Garage wahrscheinlich in einer halben Stunde leistet. Ich gehe weiters davon aus, dass jeder Terminal, jede Steuerung die Bau- aber v.a. auch die Betriebskosten und damit die Parktarife wild befeuern wird. Die Möglichkeit von technischen Gebrechen, Problemen mit der Computersteuerung, menschliches Versagen etc. bedeutet auch, dass diese Garagen-Technik wohl immer eine/n TechnikerIn vor Ort benötigt, der/die rund um die Uhr anwesend sein muss. Ist das nicht der Fall, gibt es wahrscheinlich den kompletten System-Stopp und es kann kein Fahrzeug mehr ein- oder ausfahren. Was kostet das – eh nur umgelegt auf die zu erwartenden Tarife?

Schließlich – und damit komme ich zum Schluss – es liegen viele Hinweise auf historische Gemäuer und archäologisch interessante geschichtliche Artefakte am Eisernen Tor vor. Das Eiserne Tor heißt nicht umsonst so, an dieser Stelle war ja einmal ein Stadttor. Da waren wahrscheinlich aber auch andere Gebäude, Wehranlagen, Einbauten und einen Stadtgraben samt Brücke soll das alte Graz da auch gehabt haben. Was, wenn Planungsarbeit, Planungsmittel, etc. hier im Gemeinderat beschlossen werden, ohne dass vorab die Möglichkeit von archäologisch bedeutsamen Funden von ExpertInnen auch nur abgeschätzt, bzw. vorgeprüft wurden? Übernehmt ihr, liebe KollegInnen, dann die Verantwortung für das Verbrennen von sehr viel Geld, das Graz bekanntlich nicht gerade üppig hat? Wir Grüne werden nicht einfach tatenlos dabei zusehen, wie ohne ausreichende Vorprüfung und Diskussion ein Projekt auf die Reise geschickt wird. Wir wollen zumindest gute fachliche Grundlagen über die Leistungsfähigkeit dieser Garagen-Technik, über zu erwartende Kosten im Bau und im Betrieb – insbesondere für die EndkundInnen. Des Weiteren interessieren uns die Auswirkungen auf den Stadtverkehr, die Luft- und Lebensqualität und schließlich wollen wir sicher stellen, dass nicht viel Geld für ein Projekt in die Hand genommen wird, dass dann ohnehin nicht realisierbar wird, weil man beim Bau auf historisches Erbe der Stadt stößt.
 

Daher stelle ich namens der Grünen – ALG folgenden  

​Dringlichen Antrag       

  • Der Gemeinderat beauftragt die Verkehrsreferentin und die Abteilung für Verkehrsplanung zu prüfen, ob es in Österreich und Europa überhaupt funktionierende automatisierte Stapelgaragen für KurzparkerInnen - in ähnlicher Größe wie in Graz angedacht - gibt und wie es mit der Leistungsfähigkeit solcher Systeme bestellt ist. Weiters soll überprüft werden, welche Leistungsunterschiede bei der Verbringung von KFZ-Fahrzeugen zwischen automatisierten Stapelgaragen und herkömmlichen Tiefgaragen bestehen.
  • Über die Ergebnisse dieser Prüfung möge vom Verkehrsausschuss bis zur November-Sitzung ein schriftlicher Informationsbericht vorgelegt werden.

 
Bürgermeister Nagl wird in seiner Funktion als Stadtplanungsreferent beauftragt, mit dem Bundesdenkmalamt und anderen zuständigen Stellen und Behörden Gespräche hinsichtlich der Durchführung von Voruntersuchungen (Bodenradar, Probebohrungen o.ä.) im Bereich Eisernes Tor zu führen. Ziel dieser Voruntersuchungen soll eine Klärung darüber sein, ob es in diesem Bereich historische Funde von relevanter Bedeutung gibt, die der Errichtung von in den Boden gehenden Bauwerken derartigen Ausmaßes entgegenstehen bzw. es damit zu einer deutlichen Verlängerung der Bauzeit mit all den Nebenfolgen für die AnrainerInnen kommen würde. Die Ergebnisse der archäologischen Vorprüfung müssen in jedem Fall abgewartet werden, bevor im Gemeinderat oder Stadtsenat Beschlüsse zu etwaigen Planungsaufträgen gefasst werden.  

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